Töten als Therapie: Der Fall Terri Schiavo

Thomas S. Szasz

Ich hielt mein Versprechen.

Michael Schiavo, Juni 2005

Terri starb keines furchtbaren Todes.
Ich legte eine Rose in ihre Hände und nahm Abschied.

Michael Schiavo, September 2005

I

Auf welches seiner Versprechen bezieht sich Michael Schiavo mit der Inschrift auf dem Grabstein seiner Ehefrau? Im Jahr 1992 wurde Michael Schiavo während einer eidesstattlichen Aussage im Rahmen eines Kunstfehler-Prozesses gegen die Ärzte, die Terri Schiavo wegen Unfruchtbarkeit behandelt hatten, gefragt, welche Vorstellungen er von der Zukunft mit seiner Ehefrau hätte. Er antwortete:

A: Ich werde hoffentlich meinen Schulabschluss machen und meine Frau pflegen.

F: Wo wollen Sie Ihre Frau pflegen?

A: Ich möchte sie gerne nach Hause holen.

F: Wenn Ihnen die Mittel, die Ausrüstung und das Personal dafür zur Verfügungen stünden, dann würden Sie das tun?

A: Ja. Ja, das würde ich. Sofort.

F: Wie geht es Ihnen heute damit, mit Terri verheiratet zu sein?

A: Es geht mir ausgezeichnet damit. Sie ist meine Frau und ich würde sie für nichts in der Welt eintauschen. Ich glaube an mein Ehegelübde.

F: Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, Sie glaubten an Ihr Ehegelübde?

A: Ich glaube an das, was ich und meine Frau uns geschworen haben, in Gesundheit und Krankheit, in Reichtum und Armut. Ich habe meine Frau aus Liebe geheiratet und will den Rest meines Lebens mit ihr verbringen.[1]

Diese Aussagen machte Michael Schiavo unter Eid im Jahr 1992. Im Jahr 2005 hatte er auf Terris Grabstein den »25. Februar 1990« als das Datum eingravieren lassen, an dem sie »diese Erde verlassen« habe (»Departed this Earth«).

Sollen wir Michael Schiavos selbstverherrlichendes Denkmal als Erinnerung an sein Versprechen ehelicher Treue verstehen? Seit mehr als einem Jahrzehnt teilt er sein Leben mit einer anderen Frau, von der er als seiner Verlobten spricht und mit der er zwei Kinder hat.

Bezieht sich die Inschrift auf Michael Schiavos Versprechen gegenüber Terris Eltern, Mary und Robert Schindler, dass Terris Körper nicht eingeäschert und ihre sterblichen Überreste auf dem Familiengrundstück der Schindlers in Pennsylvania begraben würden? Zwei Tage nach ihrem Tod wurde Terris Körper eingeäschert und ihre Urne auf dem Sylan Abbey Memorial Park in Clearwater beigesetzt. Die Schindlers wurden erst im Anschluss über dieses Ereignis unterrichtet.

Auf welches gehaltene Versprechen bezieht sich dann Michael Schiavo mit der Inschrift auf dem Grabmal für seine Frau? Auf makabere Weise brüstet er sich mit seinem angeblichen Versprechen, sie in ihrem eigenen wohlverstanden Interesse zu töten. Die Entfernung von Terris Magensonde wurde, wie Joan Didion schrieb, »wiederholt als ›Befolgung ihrer Anweisungen‹ dargestellt. Auch das war unrichtig: es gab keine solche Anweisungen. Eine Willensbekundung existierte nur in den nachträglichen Erzählungen ihres Ehemannes und zwei ihrer Verwandten.«[2]

Worin der Konflikt zwischen den Schindlers und Michael Schiavo bestand, lag auf der Hand: Den Schindlers war eine halbtote Tochter auf Erden lieber, als eine tote Tochter im Grab. Michael war eine tote Ex-Ehefrau im Grab lieber, als eine halbtote Ehefrau in einem Hospiz. Die Schindlers machten kein Hehl daraus, dass sie es waren, die wollten, dass Terri am Leben bleibt. Michael leugnete, dass er es war, der den Tod seiner Frau wollte, und stellte stattdessen den Todeswunsch als das Verlangen von Terri dar, bei einer solch schweren Behinderung wie in ihrem Fall, ihr Leben zu beenden. Diese Fiktion wurde von den Gerichten aufrechterhalten.[3] Diese Fiktion ist es, die Michael auf naive und narzisstische Weise mit der von ihm gewählten Inschrift für Terris Grabstein verewigte. »Ich hielt mein Versprechen« – Sartre könnte kaum ein dramatischeres Beispiel für den Selbstbetrug eines Mannes gefunden haben, der seine Ehefrau zu Grabe trägt.

Das Schiavo-Drama war eine klassische Schlacht mit Worten: wer die Macht über die benutzten Wörter und ihre Bedeutung hatte, der hatte die Macht über die Debatte und würde am Ende als Sieger aus der Auseinandersetzung hervorgehen. Es schien nicht so, dass die Schindlers sich dieser Tatsache vollständig bewusst waren. So versäumten sie es, von Anfang an deutlich zu machen, dass der angebliche Wunsch Terri Schiavos unüberprüfbar war und vollständig auf Hörensagen basierte, und dass in Zweifelsfällen die lange Tradition des englischen und amerikanischen Rechts und der christlichen Religion dem Schutz des Lebens und der Freiheit den Vorrang gibt vor dem Verlust derselben. (Michael Schiavo und die Schindlers sind Katholiken.) Die moralische Standardposition im Fall von Terri Schiavo war eindeutig: sie war nicht tot und sie zu töten war ein medizinischer Tötungsakt, eine Form von Hetero-Homizid (Fremdtötung). War diese Handlung moralisch gerechtfertigt? Meiner Meinung nach war sie es nicht: 1) Terri hatte keine Patientenverfügung und es gab keine glaubwürdigen Beweise für ihren mutmaßlichen Willen hinsichtlich der Frage, was mit ihrem halbtoten Körper zu geschehen habe; 2) Terris Eltern wollten sie am Leben erhalten, während ihr mit einer anderen Frau zusammenlebender Mann ihren Tod wollte; 3) Michael Schiavos Darstellungen fehlte es an Glaubwürdigkeit und damit machten die Gerichte einen Fehler, als sie ihn zu Terris rechtlichem Stellvertreter ernannten; und 4) auch unter der Annahme, sie hätte sich eine Beendigung ihres Lebens gewünscht, hätte sie sicher nicht gewollt, dass es dadurch beendet würde, dass man über Monate hinweg wiederholt ihre Magensonde entfernt und wieder anlegt und sie dadurch abwechselnd eine Zeit lang verhungern lässt und dann wieder mit Nahrung versorgt.

Dessen ungeachtet und geleitet durch Medizinethiker stellten die Massenmedien den Fall als einen Kampf zwischen »Humanisten« und »religiösen Fanatikern«, zwischen »Rationalisten« und »Irrationalisten« dar. Didion machte dabei folgende Beobachtung: »Doch auf der ›rationalen‹ Seite gab es kaum ein Verständnis dafür, dass es eine beträchtliche Anzahl von Leuten geben könnte, die man sicher nicht alle als ›Fundamentalisten‹ oder ›Evangelikale‹ bezeichnen kann und die dennoch tief beunruhigt waren über die Konsequenzen eines Standpunktes, der ein Leben für nicht lebenswert erachtet und aus diesem Grund sich für dessen Beendigung entscheidet. Ebenso wurde kaum darüber gesprochen, dass der Fall sehr schlecht gehandhabt worden war.«[4]

II

Medizin und Wissenschaften verändern sich, und in der heutigen Zeit tun sie dies besonders schnell. Fundamentale ethische Prinzipien überdauern indes länger. Das Prinzip, das sich am längsten gehalten hat, ist vermutlich das Verbot der Tötung von Menschen, besonders wenn die Rechtfertigung dafür moralisch gesehen wenig überzeugend ist.

Religion und Recht schreiben die Unauflöslichkeit bestimmter menschlicher Bindungen vor und bei vielen Menschen entspricht dies auch ihrem sittlichen Empfinden. Das Paradigma einer solchen Bindung ist das Verhältnis eines frommen Juden zu seinem Gott. Im Christentum ist die Ehe auf ähnliche Art unauflöslich. Diese seit langem im bürgerlichen Recht verankerte Norm wird erst seit kurzem in Frage gestellt.

Im Fall Schiavo ging es hauptsächlich – neben den finanziellen Fragen hinsichtlich Terris Pflege – um den Konflikt zwischen zwei Parteien, von denen jede ihre unsterbliche Liebe und Treue zu dieser Frau beteuerte: ihr Ehemann, der sie sterben lassen und ihre Eltern, die sie am Leben erhalten wollten. Unter diesen Umständen hätte bereits eine Entscheidung gegen die Tötung ausgereicht, das Gleichgewicht zugunsten der Eltern zu verschieben.

Nur wenige moralische Dilemmata stellen uns vor wirklich neue Probleme. Der Fall Schiavo gehört nicht dazu. Im Gegenteil, der Konflikt zwischen den Schindlers und ihrem Schwiegersohn ruft uns den legendären Streit zweier Mütter um einen Säugling im Alten Testament in Erinnerung: Zwei Frauen leben gemeinsam in einem Haus und bringen etwa zur gleichen Zeit jeweils ein Kind zur Welt. Ein Neugeborenes stirbt in der Nacht. Seine Mutter vertauscht es mit dem anderen Neugeborenen. Die Mutter des lebenden Kindes entdeckt die Täuschung und ruft König Salomon als Richter an, den Streit zu schlichten. Was im Weiteren geschah, das erzählt die Bibel folgendermaßen:

Damals kamen zwei Dirnen und traten vor den König. Die eine sagte: »Bitte, Herr, ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus, und ich habe dort in ihrem Beisein geboren. … Nun starb der Sohn dieser Frau während der Nacht; denn sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. Sie stand mitten in der Nacht auf, nahm mir mein Kind weg … und legte es an ihre Seite. Ihr totes Kind aber legte sie an meine Seite. …« Da rief die andere Frau: »Nein, mein Kind lebt, und dein Kind ist tot.« … So stritten sie vor dem König. … Und der König fuhr fort: »Holt mir ein Schwert!« … Nun entschied er: »Schneidet das lebende Kind entzwei, und gebt eine Hälfte der einen und eine Hälfte der anderen!« Doch nun bat die Mutter des lebenden Kindes den König … »Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind, und tötet es nicht!« Doch die andere rief: »Es soll weder mir noch dir gehören. Zerteilt es!« … Da befahl der König: »Gebt jener das lebende Kind, und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter.«[5]

Ein heutiger Salomon würde für beide Frauen eine psychiatrische Untersuchung anordnen zur Feststellung, wer eine bessere Mutter abgeben würde, und dann entsprechend den psychiatrischen »Erkenntnissen« und mit dem Segen einer Ethikkommission seine Entscheidung verkünden. Hierin liegt der unterschied zwischen einer Sprache der Liebe und des Lebens und einer Sprache der Missgunst und des Todes; zwischen einer Philosophie des Individualismus und Libertarismus und einer Philosophie des Kollektivismus und Etatismus; und zwischen einer Ethik der Gerechtigkeit und Unantastbarkeit des Lebens und einer Ethik der Bioethik und der Rechtfertigung medizinischer Tötungen.

Salomon, so könnten wir leichtfertig urteilen, habe es durch die unnötige Äußerung der zweiten Mutter leicht gehabt. Angenommen, sie hätte dasselbe gesagt wie die erste Mutter. Wie hätte Salomon in diesem Fall wohl entschieden? Wir wissen es nicht. Es wäre ein anderer Fall gewesen, mit zwei Parteien, die sich beide für das Leben und gegen den Tod entschieden hätten. Ironischerweise verstärkt Michael Schiavos Verhalten den Eindruck einer Ähnlichkeit zu der Geschichte aus der Bibel. Im Jahr 1993, als er offensichtlich immer noch versuchte, Terri am Leben zu erhalten, wurde Michael gefragt, was er mit Terris Schmuck gemacht habe. Er antwortete: »Ähm, ich glaube, ich nahm ihren Verlobungsring und ihren … wie nennt man das … diamantenen Ehering und ließ daraus einen neuen Ring für mich herstellen.« Nachdem Terri gestorben war legte er als Todesdatum den 25. Februar 1990 fest und und benutzte dieses Datum für den Grabstein seiner Frau. Wenn dies aus Michael Schiavos Sicht der Zeitpunkt war, an dem seine Frau starb, dann war er ab diesem Tag unverheiratet, ein Witwer, der keinen moralisch gerechtfertigten Anspruch auf Terris lebenden Körper hatte und keine gültige Rechtsgrundlage, um gegen den Wunsch der Schindlers Einspruch zu erheben, die Pflege ihrer de facto und de jure immer noch lebenden Tochter zu übernehmen. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Bewertung seiner finanziellen und anderer möglicher Gründe gegen eine Scheidung von Terri und seines Kampfes gegen die Bemühungen der Schindlers, als ihre Vormünder eingesetzt zu werden.

III

Der Fall Schiavo hat eine unüberschaubare Menge von Literatur hervorgebracht, einiges davon gedruckt, vieles im Internet. Der größte Teil dieser Literatur analysiert den Fall vom Standpunkt der vermeintlichen »Rechte« der Hauptakteure aus. Was würde Terri gewollt haben, hätte sie ihren halblebendigen Zustand vorausgesehen? Waren Ernährung und Flüssigkeitszufuhr eine »künstliche Lebensverlängerung«? Wer sollte ihr rechtlicher Stellvertreter sein? Obwohl die Bemühungen der Schindlers, Terri am Leben zu erhalten, eine große Unterstützung durch die Öffentlichkeit und durch Fachleute erfuhren, steckte der größte Teil der Diskussion in der Zwangsjacke medizinischer Terminologie und befasste sich mit Fragen wie der Fähigkeit der Patientin, Schmerzen zu empfinden, Personen zu erkennen, auf Reize zu reagieren, oder mit Wachkoma, Hirntod, Prognosen, Rehabilitation usw.

All das war reine Spiegelfechterei. Nach mehr als zehn Jahren Wachkoma bedurfte es keines Spezialwissens oder ausgeklügelter Technik, um zu dem Schluss zu gelangen, dass Terri Schiavo als Person nicht mehr existierte, aber als Mensch immer noch am Leben war. Das war letzten Endes der Grund, weshalb ein langer Kampf um die Legitimität ihrer Tötung geführt wurde. Sie musste erst getötet werden, bevor man sie rechtskräftig für tot erklären und ihre Leiche begraben oder einäschern konnte.

Die meisten nicht-religiösen Menschen sind lieber ganz tot als halbtot. Sie nehmen gewöhnlich an, dass ihre nächsten Angehörigen, die Personen, die die etwas unglückliche Bezeichnung »loved ones« (wörtl.: die Geliebten; dt.: Angehörige) wirklich verdienen, diese Entscheidung mittragen. Wenn sie etwas anderes annehmen, dann formulieren sie wahrscheinlich in einer Patientenverfügung ihren Wunsch, so lange wie möglich am Leben erhalten zu werden, unabhängig von den Umständen oder dabei entstehenden Kosten. Es waren die Schindlers selbst, die wollten, dass ihre Tochter am Leben bleibt, und sie glaubten aus gutem Grund – sie waren alle praktizierende Katholiken –, dass dies auch der Wunsch von Terri gewesen wäre. Ich werde jetzt kurz die Schiavo-Affäre von einem Standpunkt aus untersuchen, den ich mir als den der Schindlers vorstelle, und mich dabei einer klassischen Kurzgeschichte von William Faulkner bedienen.

»Eine Rose für Emily«[6] ist eine Schauergeschichte, die sich in einer Kleinstadt des »Old South«[7] abspielt. Emily Grierson ist die einzige Tochter eines der einflussreichsten Bürger einer kleinen Stadt. »… man fand, die Griersons seien mehr als nötig von sich eingenommen. Keiner von den jungen Männern erschien Miss Emily gut genug …«. Mr. Grierson stirbt und hinterlässt Miss Emily in vornehmer Armut, allein in dem großen Haus. Sie führt immer mehr ein Schattendasein, dennoch gelingt es ihr, ihren Einfluss bei den Stadtoberen geltend zu machen. Während diese noch ängstlich zögern, von ihr die fälligen Steuern einzutreiben, werden sie eines Tages mit Klagen der Nachbarn wegen übler Gerüche konfrontiert, die von ihrem Haus ausgingen. »Es war zwei Jahre nach ihres Vaters Tod gewesen und kurz nachdem ihr Liebhaber – von dem wir geglaubt hatten, er würde sie heiraten – sie sitzengelassen hatte. … ›Aber was meinen Sie denn, Madam, was ich in der Sache tun soll?«, jammerte der Bürgermeister. »Nach ein oder zwei Wochen war der Geruch verschwunden.«

Nachdem Faulkner die Kulissen vor uns aufgerichtet hat, lüftet er das Geheimnis. Einige Jahre nach dem Tod von Miss Emilys Vater kommt ein Bauunternehmen in die Stadt, »mit Niggern und Maultieren und Maschinen und einem Vorarbeiter namens Homer Barron, einem großen, dunklen, gewandten Yankee mit voller Stimme und Augen, die heller als sein Gesicht waren. … Bald sahen wir dann, wie er und Miss Emily an den Sonntagnachmittagen mit dem gelbrädrigen Buggy und den Braunen, einem Passer-Gespann aus dem Mietsstall, zusammen ausfuhren.« Das Bauunternehmen verlässt die Stadt und Homer Barron ward nicht mehr gesehen. Die Leute gehen davon aus, dass er die Stadt gemeinsam mit der Firma verlassen hat.

In Wahrheit wird Homer Barron von der von ihm zurückgewiesenen Miss Emily mit Arsen vergiftet. Die Jahre gehen ins Land. »Ende Dezember schickten wir ihr alljährlich einen Steuerzettel, der eine Woche später mit dem Vermerk ›Unbestellbar‹ durch die Post zurückgeschickt wurde. Hin und wieder sahen wir sie an einem der unteren Fenster – offenbar hatte sie das Obergeschoß abgeschlossen – … So gelangte sie von Generation zu Generation: teuer, unvermeidbar und unantastbar, unangefochten und verschroben. Und so starb sie.«

Entfernte Verwandte kommen, um sie zu begraben.

Wir wußten bereits, daß sich in den oberen Regionen des Hauses ein Zimmer befand, das seit vierzig Jahren kein Mensch betreten hatte und das aufgebrochen werden mußte. Man wartete, bis Miss Emily in Ehren unter der Erde lag, ehe man es öffnete. Die Gewalt, unter der die Tür niederbrach, schien das Zimmer mit alles durchdringendem Staub zu erfüllen. Ein dünner, ätzender Grabeshauch schien gleich einem Leichentuch über dem ganzen Zimmer zu liegen, das wie ein Brautgemach geschmückt und ausgestattet war: über den Bettvorhängen in verblichenem Rosenrot, über den rosig abgeschirmten Lämpchen, auf dem Rasiertisch, auf dem elegant angeordneten Kristall und den männlichen Toilettengegenständen mit ihren dunkel angelaufenen Silberrücken – so dunkel angelaufen, daß das Monogramm unkenntlich war. Dazwischen lagen ein Kragen und eine Krawatte, als ob sie gerade erst abgelegt worden wären, und als man sie aufhob, hinterließen sie im Staub einen bleichen Sichelmond. Auf einem Stuhl hing, sorgsam gefaltet, der Anzug, darunter standen die beiden stummen Schuhe und die abgestreiften Socken. Der Mann aber lag im Bett. … Der Körper hatte offensichtlich einst in liebender Umarmung gelegen, doch jetzt hatte der lange Schlaf, der die Liebe überdauert und sogar das Zerrbild der Liebe besiegt, ihn zum Hahnrei gemacht. Was von ihm noch übrig war, was verwest war unter den Resten des Nachthemds, war vom Bett, auf dem er lag, nicht zu trennen; und auf ihm und auf dem Kissen neben ihm lag der gleichmäßige Überzug geduldigen und beharrlichen Staubes. Dann bemerkten wir auf dem zweiten Kissen den Abdruck eines Kopfes. Einer von uns nahm etwas vom Kissen auf, und als wir uns vorbeugten und der schwache, kaum sichtbare Staub uns trocken und ätzend in die Nase stieg, sahen wir es: ein langes eisengraues Haar.

Miss Emily war das Simulacrum eines Ehemannes lieber als überhaupt kein Ehemann.[8] Den Schindlers war das Simulacrum einer Tochter lieber als gar keine Tochter. Dadurch, dass sie sich dies nicht eingestehen wollten und sich stattdessen auf eine unbedachte Diskussion über Terris medizinischen Zustand und »Prognosen« einließen, wurde die Argumentation der Schindlers meiner Meinung nach auf verhängnisvolle Weise geschwächt. Ihre Behauptungen, dass Terri Reaktionen zeigen würde, nicht im Wachkoma läge, ihre Prognose nicht hoffnungslos wäre, waren kontraproduktiv. Insgesamt gewann ich den Eindruck, dass die Schindlers ihre Tochter unter allen Umständen am Leben erhalten wollten, egal wie schwer geschädigt sie und wie hoffnungslos ihr Zustand war. Ihnen war eine halbtote oder eine vierfünfteltote Tochter lieber als gar keine Tochter. Aber zu keinem Zeitpunkt sagten sie das auch. Sie boten auch nie an, die Kosten für Terris Pflege zu tragen.

In den vielen Dokumenten, die ich mir angesehen habe, war nicht ein Hinweis darauf zu finden, dass die Schindlers jemals angeboten hatten, für Terris Pflege finanziell aufzukommen. Entweder verfügten sie nicht über die Mittel dafür oder sie wollten ihr Geld nicht auf diese Weise ausgeben. Eine Untersuchung der wirtschaftlichen Aspekte der Kosten einer dauerhaften Betreuung für Personen in Terris Zustand muss einer anderen Abhandlung vorbehalten bleiben, wenn nicht sogar einer eigene Monografie. Eine Vermutung sei hier allerdings noch erlaubt – und ich glaube, man kann davon ausgehen, dass es sich so verhält –, dass nämlich die Schindlers, wären sie Milliardäre gewesen, ganz anders gegen ihren zornigen und ihnen entfremdeten Schwiegersohn vorgegangen wären: So hätten sie bei Gericht eine Art Antrag auf habeas corpus stellen können, um damit die Möglichkeit zu erhalten, für unbegrenzte Zeit für Terris Pflege zu sorgen, ohne irgendwelche Kosten für die Allgemeinheit und mit Unterstützung von medizinischem, pflegerischem und anderem Hilfspersonal. Ich bin überzeugt, die Gerichte hätten eine solche Bitte schwerlich abweisen können.

IV

Ich möchte an dieser Stelle noch einige Worte über das moralische Dilemma des medizinischen Tötens verlieren und werde dabei insbesondere auf persönliche Autonomie, das Selbsttötungsverbot und den Kampf gegen Drogen eingehen. Ich habe über diese Themen ausgiebig in der Vergangenheit geschrieben und deshalb sollen hier einige Anmerkungen genügen. Der Schiavo-Fall berührt viele der schwierigen ökonomischen, moralischen, rechtlichen und sozialen Dilemmata, mit denen die modernen westlichen Gesellschaften durch die Verbindung von Fortschritten in der modernen Medizintechnik und durch die nationale Sozialisierung (national-socialization) von Gesundheitsdienstleistungen konfrontiert sind. (Ich benutze den Begriff »nationaler Sozialismus« in seinem beschreibenden Sinn als die staatliche Kontrolle wichtiger Bereiche der nationalen Wirtschaft, nicht bezogen auf das deutsche Nazi-Regime.) Die Justizbehörden Floridas waren nicht willens, diese Probleme zur Kenntnis zu nehmen, und statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, umgingen sie sie und taten stattdessen so, als ob der Konflikt zwischen Ehemann und Eltern auf der Grundlage einer Autonomie entschieden werden müsste, die jedoch rein fiktiver Natur war und die sie Terri lediglich unterstellten.

Autonomie ist Selbstregierung (self-government). Eingeschränkt werden kann sie nur durch die eigene Person oder durch den Staat. Wir beschränken unsere Autonomie jedes mal, wenn wir ein Versprechen abgeben oder einen Vertrag schließen, wie beispielsweise bei einer Heirat. Der Staat beschränkt unsere Autonomie jedes mal, wenn er eine Handlung verbietet, besonders die Handlungen, die John Stuart Mill so treffend als »self-regarding« (nur die Person selbst betreffend) bezeichnet, wie z. B. Selbstmedikation. Unsere Autonomie wird heute in erheblichem Ausmaß durch ein politisches System eingeschränkt, das ich den Therapeutischen Staat nenne.[9] Zu der Zeit, als ich in einem nicht besonders demokratischen Ungarn und am Rand eines totalitären Albtraums aufwuchs, war paradoxerweise die persönliche Autonomie weniger limitiert. Niemand versuchte, Menschen daran zu hindern sich umzubringen, nicht einmal Schulkinder. Opiate und Schlafmittel konnte man überall bekommen und ihr Besitz war nicht untersagt. Obwohl es ein traditionell römisch-katholisches Land ist, hat Ungarn immer noch die höchste Suizidrate der Welt.

»Ein freier Mensch gehört sich selbst. Er kann sich schaden durch Essen oder Trinken; er kann sich mit Glücksspiel ruinieren. Wenn er dies tut, ist er sicherlich ein verdammter Narr, vielleicht ist er auch eine verdammte Seele; tut er es aber nicht, dann ist er nicht freier als ein Hund.«[10] Die Worte stammen von Gilbert K. Chesterton. Er war ein gläubiger Katholik und leidenschaftlicher Konservativer, kein Liberaler, noch weniger ein Libertärer. Und heute, wo die gesamte »zivilisierte« Welt Kriege gegen Drogen und Suizide führt, gibt es nur wenige, die dieser Äußerung zustimmen würden.

Ärzte, insbesondere Psychiater, führen seit 200 Jahren einen Kampf gegen Autonomie. Sobald die Mediziner mehr Wissen über den menschlichen Körper und über Krankheiten erworben hatten, versuchten sie in zunehmendem Maße, die Kontrolle über ihn zu gewinnen. Ärzte attackierten die Autonomie an drei Fronten, die mit drei grundlegenden menschlichen Antrieben korrespondieren: Sex, Drogen und Tod. Gestützt auf Pseudowissenschaft und mit Hilfe des Staates erklärten sie Selbstschädigungen, Selbstmedikation und Selbsttötung zu Krankheiten und bestraften sie als Angriffe auf die Volksgesundheit und damit auf das Allgemeinwohl. Ein freier Mensch gehört sich selbst. Der Therapeutische Staat verbietet Selbsteigentum.

Als Terri Schiavo noch in vollem Umfang am Leben war, hatte sie kein Recht, sich selbst umzubringen. »Suizidalität«, definiert als ein »Symptom der Depression«, ist der Hauptrechtfertigungsgrund für die Anordnung psychiatrischer Zwangsmaßnahmen – eine Maßnahme, die eine Person nicht nur ihrer Autonomie beraubt, sondern ihrer Freiheit. Nichtsdestotrotz hatte Terri Schiavo – zumindest erzählt man uns das – ein Recht auf Beendigung ihres Lebens, als sie nur noch halb am Leben war, und zwar, weil sie dies so gewollt hätte, wäre ihr die Äußerung ihres Willens möglich gewesen. Wir glauben oft an X nicht deshalb, weil X wahr ist, sondern weil der Glaube an X uns bei der Erreichung unserer egoistischen Ziele von Nutzen ist. Wir haben kein Recht auf Selbsttötung, dennoch bestehen wir darauf, dass der Respekt vor der »Patientenautonomie« es verlange, dass wir ein Recht auf ärztlich assistierten Suizid hätten.[11]

Halten wir uns noch einmal die grundlegenden Tatsachen des Falles vor Augen. Fünfzehn Jahre lang lag der halblebendige Körper Terri Schiavos im Bett. Angeblich wollten während all dieser Zeit ihr Ehemann wie auch ihre Eltern ihr »helfen«. Anfangs halfen sie ihr, am Leben zu bleiben. Niemand sprach von Terris Wunsch, getötet zu werden. Dann gab es einen plötzlichen Umschwung, als Michael sich an Terris angeblich mündlich geäußerte Patientenverfügung »erinnerte«. Michael versuchte nun, Terri dadurch zu helfen, dass er ihr Leben so schnell wie möglich beenden wollte, während die Schindlers ihr halfen, indem sie ihr Leben so lange wie möglich erhalten wollten. Zur gleichen Zeit – und das ist charakteristisch für unsere Gegenwart – war keine der beiden Parteien bereit, echte Verantwortung für ihre Pflege zu übernehmen. Beide Parteien wollten sich der Macht und des Geldbeutels des Staates bedienen, um ihre Wünsche umzusetzen. Michael wollte, dass der Staat Terris Leben beende. Die Schindlers wollten, dass der Staat Terri am Leben erhalte und für ihre Pflege aufkomme. (Nur am Anfang und nur in geringem Umfang wurden diese Kosten durch Geld aus einer Kunstfehlerversicherung, das Michael zugesprochen worden war, beglichen. Am Ende zahlte der Steuerzahler die Rechnung.)

V

Der Fall Schiavo hatte in Wahrheit mit dem, was wir törichterweise »Patientenautonomie« nennen, nicht das Geringste zu tun. Er hatte zu tun mit Eigentumsrechten und mit Geld – insbesondere ging es zum einen darum, wer der rechtmäßige »Eigentümer« von Terris halblebendigem Körper war, und zum anderen, wer die Kosten für die Aufrechterhaltung ihrer Lebensfunktionen tragen sollte, bis sie rechtlich für tot erklärt sein würde.

Ganz gleich, welche medizinisch-technischen Begriffe wir für Terris Zustand wählen – Koma, Apallisches Syndrom, schwere und irreversible Hirnschädigungen –, liegen doch zwei Dinge auf der Hand: dass sie vor der Entfernung der Magensonde nicht tot war; und dass sie hilflos und um zu überleben abhängig von anderen war, in ähnlicher Weise, wie es bei einem Neugeborenen der Fall ist: sie konnte atmen und Nahrung verstoffwechseln, sie musste aber gefüttert und mit Flüssigkeit versorgt werden, und jemand musste sich um sie kümmern und sie pflegen. Der Unterschied zwischen Terri und einem Neugeborenen bestand darin, dass Terri bis an ihr Lebensende in diesem Zustand völliger Hilflosigkeit verbleiben würde.

Eine solche Situation ist keineswegs selten oder ungewöhnlich. Im Gegenteil handelt es sich dabei um ein allgegenwärtiges und immer wieder auftretendes Problem. Aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, wessen Problem es ist und worin dieses Problem im Kern tatsächlich besteht. Das Problem, mit dem wir es hier zu tun haben, ist nicht ein Problem des Patienten, genauso wenig wie das Problem der Abtreibung ein Problem des Fötus' ist. Terri hatte keine Probleme. Sie war das Problem. Für wen? Für ihren Ehemann, für ihre Eltern und für diejenigen, die von der Gesellschaft mit dem Schutz bestimmter Gruppen von Abhängigen betraut sind. Inkompetente Wesen, die nach dem uralten Rechtsgrundsatz parens patriae des Schutzes und der Pflege bedurften und diese auch verdienten, waren mit den Worten von John Locke »Idioten, Kleinkinder und Wahnsinnige« (idiots, infants, and the insane). Heute werden dieser Kategorie inkompetenter Personen außerdem auch alte Menschen, Bewusstlose und Personen, die sich wie Terri im Wachkoma befinden, zugerechnet.

Haben die Familienmitglieder harmonische Beziehungen zueinander und sind einige gewillt, für die hilfsbedürftige Person zu sorgen, dann tun sie es und das Problem ist gelöst. Viele Eltern pflegen ihre schwer behinderten Kinder und viele erwachsene Kinder pflegen ihre dementen Eltern. Sind die für die Abhängigen verantwortlichen Personen wohlhabend, dann delegieren sie diese Aufgabe gewöhnlich an andere. Auf diese Art sorgte Joseph Kennedy Sr. für seine Tochter Rosemary nach einer von ihm veranlassten Lobotomie, die aus ihr eine ebenfalls nur noch halblebendige Person machte. Die schwer hirngeschädigte Rosemary wurde in eine katholische Heilanstalt in Wisconsin gegeben und von Kennedy mit einem großzügigen finanziellen Polster ausgestattet, um seine schändliche Tat zu verbergen und dafür zu sorgen, dass seine Tochter die benötigte Pflege erhielt. Aus den Augen, aus dem Sinn, »lebte« Rosemary dort mehr als 60 Jahre, bis sie 2005 im Alter von 86 Jahren starb.

Familienmitglieder können sich auch darin einig sein, den umgekehrten Weg zu gehen. Oft geschieht dies in aussichtslosen Situationen, wie der, mit der Terris Ehemann und ihre Eltern konfrontiert waren. Sie verlangen dann vom medizinischen Personal, von lebenserhaltenden Maßnahmen (heroic measures), die nur noch der Verlängerung des Sterbeprozesses dienen würden, abzusehen. Das ist eine der Funktionen der Hospizarbeit. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass Terri Schiavo die Voraussetzungen für eine solche Betreuung nicht hinreichend erfüllte. Die Aufnahme in ein Hospiz erfordert eine Bestätigung des behandelnden Arztes, dass die Lebenserwartung des Patienten nur noch sechs Monate beträgt und dass der Patient oder sein rechtlicher Stellvertreter auf alle weiteren Behandlungen verzichtet, außer solchen zur Schmerzlinderung.[12]

Im Rahmen der Kontroverse um Terri Schiavo hielten die Gerichte die Fiktion aufrecht, Terris Autonomie verlange es, dass sie in ihrem eigenen Interesse medizinisch getötet wird. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in einem Land leben, dessen Gesetze den Suizid verbieten und todkranken Patienten oft die benötigten Schmerzmittel vorenthalten, war die Sensibilität, die Ärzte und Gerichte dem Thema Patientenautonomie in diesem Fall entgegenbrachten, gelinde gesagt, rührend. Michael beantragte für Terri bei Gericht ein einklagbares Recht auf einen ärztlich assistierten Suizid. Dass diese Entscheidung Michaels persönliche und finanzielle Interessen und die wirtschaftlichen Interessen der Steuerzahler begünstigte, war reiner Zufall.

Der Fall Schiavo war und bleibt – wie Shakespeares Lear oder Hamlet – ein großes Drama. Er hält uns einen Spiegel vor, der uns unseren Egoismus im Konflikt mit unseren Bindungen zeigt, unsere moralischen Unsicherheiten und Eitelkeiten, und – dies vor allem anderen – unsere grenzenlose Heuchelei, wenn es um Drogen, Sterben und medizinische Versorgung geht.

Ärzte an der Tötung von Menschen zu beteiligen, seien es Patienten oder Staatsfeinde, ist keine neue Idee. Die Tatsache, dass der Eid des Hippokrates medizinisches Töten verbietet, lässt die Vermutung zu, dass diese Handlung für Ärzte und jene, deren Macht sie unterworfen waren, eine Versuchung gewesen sein muss. Die Praxis scheint in Rom unter Nero ihren Anfang genommen zu haben, der »Ärzte zu jenen [schickte], die sich seiner Aufforderung zum Selbstmord widersetzten … und sie anwies, die Verweigerer zu ›behandeln‹ (curare), womit die zum Tode führende Öffnung der Pulsadern gemeint war.«[13] Die Guillotine und die Gaskammern wurden von Ärzten entwickelt. Der medizinische Holocaust der Nazis war ein hemmungsloses Euthanasie-Programm, das von Ärzten geplant und durchgeführt wurde.

In der englischen Literatur erscheint der Tod als Behandlungsmaßnahme zuerst in Thomas Morus' Utopia (1516). Er schrieb dort: »Wenn aber das Leben unerträglich für diese unheilbar Kranken geworden ist, dann verordnen Priester und Obrigkeit ohne Zögern Euthanasie. … Die auf diese Art überzeugten Kranken beenden ihr Leben bereitwillig durch Nahrungsenthaltung oder erhalten ein Schlafmittel.«[14]

Die übliche Praxis, den angeblichen Nutznießer eines ärztlich assistierten Suizids (physician-assisted suicide, PAS) als »Patienten« zu bezeichnen, legt bereits durch diese Wahl der Bezeichnung – und scheinbar ohne negative Konsequenzen – fest, dass es sich bei der Handlung um eine medizinische Maßnahme handelt und dass sie deshalb als nützlich und vorteilhaft (»therapeutisch«) angesehen werden muss. Selbstverständlich wird eine Person mit einer unheilbaren Krankheit ipso facto als Patient betrachtet. Allein, Sterben ist keine Krankheit. Es kann unter anderem die Folge einer Erkrankung (oder aber anderer Ursachen, wie zum Beispiel eines Unfalls oder einer Gewalttat) sein. Noch wichtiger ist allerdings: die Tötung (der eigenen oder einer anderen Person) ist keine und kann per definitionem keine Behandlung sein.

Streng genommen ist der Begriff »assistierter Suizid« ein Oxymoron. Suizid bedeutet die Tötung der eigenen Person. Wir sollten es Auto-Homizid (autohomicide) nennen, um es vom Hetero-Homizid (heterohomicide) zu unterscheiden, wobei letzterer Begriff die korrekte Bezeichnung für die Handlung ist, durch die das Leben von Terri Schiavo beendet wurde. Weder Auto-Homizid noch Hetero-Homizid ist eine medizinische Angelegenheit. Beide sind rechtliche, moralische, ökonomische und politische Angelegenheiten.[15]

Eine Person benötigt die Dienstleistung eines anderen nicht, wenn sie diese Leistung selbst erbringen kann – vorausgesetzt, sie möchte dies und es wird ihr erlaubt. Wenn eine Person Auto fahren kann, es aber vorzieht, von jemand anders gefahren zu werden, dann benötigt sie keinen Fahrer, sondern sie will oder möchte gerne einen Fahrer. Sie unterzieht sich nicht »fahrer-assistiertem Autofahren« (»chauffeur-assisted driving«). Das gleiche gilt für die Selbsttötung.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Ärzte schon immer teilweise im Auftrag des Staates tätig waren und sich heute in einem Prozess befinden, an dessen Ende sie de facto zu Angestellten der Regierung geworden sein werden. Wenn sich eine Person nicht selbst umgebracht hat, können wir deshalb nie sicher sein, ob ihr Tod freiwillig war. Unter keinen Umständen sollte ein solcher Tod »Suizid« genannt werden. Wenn eine Person nicht in der Lage ist, sich selbst zu töten und jemand anders tötet sie, dann haben wir es mit einem eindeutigen Fall von Hetero-Homizid zu tun (Euthanasie, Gnadentod, medizinischer Mord, je nachdem). Wenn darüber hinaus ein Arzt – wie es bei Terri Schiavo der Fall war – die Handlung ausführt, dann können wir nicht sicher sein, ob der Patient nicht im letzten Moment noch seine Meinung hätte ändern wollen, er es aber nicht konnte oder es ihm nicht erlaubt wurde. Wir wissen, dass viele Personen in ihrer Patientenverfügung Ärzten die Durchführung »heroischer Maßnahmen« zur Verlängerung der Sterbephase untersagen, ihre Meinung in dem Moment aber ändern, wenn ihr einst festgelegter Wille umgesetzt werden soll.

Kurz gesagt ist die Verbindung der Begriffe »unterstützt« und »Suizid« kognitiv irreführend und politisch schädlich. Der Begriff »ärztlich assistierter Suizid« ist in ähnlicher Weise ein Euphemismus wie zum Beispiel die Ausdrücke »Für Wahlfreiheit« (»pro-choice«, für legale Abtreibungen) und »Recht auf Leben« (»right to life«, für ein Verbot von Abtreibungen). Wir sollten den ärztlich assistierten Suizid nicht nur als sozialpolitische Maßnahme ablehnen, sondern auch als Sprachkonvention, und das insbesondere so lange, wie der Suizid illegal ist – verboten durch Psychiatriegesetze und bestraft durch psychiatrische Vertreter des Staates.

Wörter spielen eine große Rolle. Wir müssen sehr sorgfältig mit der Wahl der Bezeichnungen für die Personen sein, die Suizidbeihilfe geben oder erhalten. Wenn wir die Empfänger solcher Hilfen »Patienten« nennen und jene, die sie geben, »Ärzte«, dann ist das Sterben mittels solcher Unterstützung ipso facto eine »Behandlung« und der ärztlich assistierte Suizid wird zu einer genauso anerkannten Todesursache, wie das Sterben aufgrund einer Krankheit. Zusammengefasst: Die juristische Definition des ärztlich assistierten Suizids als einer nur durch Ärzte durchführbaren Maßnahme erweitert die medizinische Kontrolle individuellen Verhaltens (insbesondere am Lebensende) und schwächt die Patientenautonomie.

VI

Wir sollten die Dinge beim Namen nennen: Terri Schiavo wurde getötet. Sie wurde in Übereinstimmung mit einem rechtskräftigen Gerichtsbeschluss durch Verhungern und Verdursten hingerichtet, um genau zu sein. Warum? Weil niemand – ihr Ehemann nicht, ihre Eltern nicht, kein Philantrop, kein amerikanischer Steuerzahler – dafür zahlen wollte, sie am Leben zu erhalten. Das Offensichtliche, das niemand wahrnehmen wollte, war – Geld. Wären Terris Eltern Melinda und Bill Gates gewesen und hätten sie Terri am Leben erhalten wollen, es hätte keinen »Fall« gegeben. Wenn wir daran glauben, dass die Hinrichtung unschuldiger Menschen falsch ist, dann ist der Fall Schiavo für uns kein ethisches Problem. Er konfrontiert uns dagegen mit ökonomischen, politischen und sozialen Problemen.

Millionen Menschen auf der ganzen Welt – Säuglinge, alte sowie stark behinderte Menschen – würden sterben, wenn andere sie nicht mit Nahrung und Wasser versorgen würden. Zehntausende Menschen, deren Lebensqualität sich nicht wesentlich von der Terris zur Zeit ihres Krankenhausaufenthaltes unterscheidet, fristen ihr Leben in Pflegeheimen, angebunden an Rollstühle und betäubt mit Haldol. Wie viele ihrer Angehörigen könnten sich nach sieben Jahren Pflege daran »erinnern«, dass der »Patient« sich für den Tod entschieden hatte, sollte er einmal in solch einen Zustand verfallen? Wie viele könnten »glaubwürdige Zeugen« aus den Reihen der Geschwister oder engen Freunde präsentieren, um zu bestätigen, dass sie den Patienten dies hätten sagen hören? Würde dies juristisch einen ausreichenden Grund darstellen, um sie verhungern zu lassen?

Das Problem liegt auf der Hand: Abhängigkeit. Früher war dies ein Problem für die Familie und für die Kirche. Heute ist es ein Problem für den Staat. Warum? Weil der moderne »national-sozialistische«[16] Staat nach der Übernahme der sozioökonomischen Funktionen der Kirche nun dabei ist, mehr und mehr die sozioökonomischen Funktionen der Familie zu übernehmen.

Sir William Osler (1849-1919), der wohl prominenteste Arzt in der Geschichte der amerikanischen Medizin, sah das Problem der Massenabhängigkeit in der Massengesellschaft voraus und machte dazu mutig einen berüchtigten Vorschlag. Im Jahre 1905 gab er seinen Posten an der von ihm mitgegründeten John Hopkins Medical School auf, um die noch prestigeträchtigere Stelle eines Regius Professor für Medizin in Oxford anzutreten. Mit 56 Jahren – und sein eigenes Alter vor Augen – hielt er eine Rede mit dem Titel »The Fixed Period«, worin er erklärte, dass »Männer über 60 nutzlos« seien, dass »die Geschichte der Welt zeigt, dass ein sehr großer Teil der Übel auf Sechzigjährige zurückgeht« und dass »ein friedlicher Abgang durch Chloroform unschätzbare Vorteile haben könnte«, für die Betroffenen selbst wie auch für die Gemeinschaft.[17] Später sagte Osler – allerdings wenig überzeugend –, dass dieser Vorschlag lediglich »einer Laune entsprungen« (whimsical) wäre. Viele Leute nahmen ihn allerdings ernst. Sein angeblicher Scherz bereicherte die Sprache und brachte das Verb »oslerize« (für »euthanisieren«) hervor, das im Spaß wie auch im Ernst benutzt wurde.

Als Osler seine Rede hielt, war er eine hoch angesehene Persönlichkeit der amerikanischen Medizin. Dennoch war die Presse, die damals noch um den Schutz der persönlichen Freiheit vor medizinischem Etatismus besorgt war, alarmiert. Ein Editorial der New York Times geißelte seine Bemerkungen und verglich seinen Vorschlag mit den Praktiken von »wilden Stämmen … wo es Sitte ist, ihren Älteren einfach einen kräftigen Schlag auf den Kopf zu geben, wenn die Jüngeren meinen, dass sie ihnen im Wege stünden.«[18] Zwei Tage, nachdem die Rede in der Presse angeprangert worden war, erschoss sich ein Veteran des Ersten Weltkriegs. Auf seinem Schreibtisch fand man einen Zeitungsausschnitt mit Oslers Rede. Die Geschichte fand ihren Weg auf die Titelseiten in einem Bericht mit der Überschrift »Selbstmörder besaß Osler-Rede«. Unbeirrt und voller Ärger erwiderte Osler: »Ich meinte genau, was ich sagte, aber es ist eine Schande, was für ein Aufheben die Zeitungen darüber machen.« In seiner verherrlichenden Biographie Oslers erklärte der berühmte Harvard-Chirurg Harvey Cushing: »Es wurden vergeblich Versuche unternommen, ihn zur Zurücknahme seiner Aussage zu bewegen. Und obwohl es keinen Zweifel daran geben kann, dass er tief verletzt war, ging er darüber mit einem Lächeln hinweg.«[19]

Trotz seiner späteren Widerrufe meinte Osler es ernst. Diese Schlussfolgerung ergibt sich unter anderem aus seinem positiven Bezug auf John Donnes heute vergessener Verteidigung der Selbsttötung in Biothanatos (1646)[20] und auch aus der Tatsache, dass Oslers Text wie auch dessen Titel inspiriert wurden durch Anthony Trollopes (1815-1882) Roman mit dem selben Titel »The Fixed Period«. Trollopes Geschichte über ein futuristisches Utopia/Dystopia, spielt auf der imaginären Insel »Britanulla«, wo die menschliche Lebensspanne auf 65 Jahre festgeschrieben ist.[21] Am Ende ihres sechsundsechzigsten Lebensjahres werden Männer und Frauen für zwölf Monate auf ein College geschickt, um sich auf die Euthanasie mit Chloroform vorzubereiten. Trollope war siebenundsechzig, als er den Roman schrieb. Ein Jahr später starb er – ohne die Hilfe von Chloroform. Sein Ruf als Gigant der amerikanischen Medizin konnte dennoch nie Oslers Flirt mit dem medizinischen Töten ganz vergessen machen.

VII

Wie fast jeder in Amerika, ist auch Michael Schiavo heute ein Experte für medizinische Ethik. Am 24. September 2005 reiste er als Redner zu einer Konferenz für medizinische Ethik, die in den Twin Cities zu Ehren von Dr. Ronald Cranford stattfand, einem Neurologen aus Minneapolis, der ihm zuvor als medizinischer Berater während der Auseinandersetzungen zur Seite gestanden hatte. Michael sagte: »Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich jemals mitten in eine solche nationale Debatte geraten würde … Alles, was ich wollte, war die Erfüllung der Wünsche meiner Frau. … Terri starb keines furchtbaren Todes … Als sie starb, legte ich eine Rose in ihre Hand und nahm Abschied.«[22] Seine Rede erhielt stehenden Applaus von den über 200 Anwesenden.

Nach dem Hurrikan Katrina im August 2005 meinte der Universalexperte Thomas Friedman: »Amerika trägt heute beunruhigende Züge dekadenter Disziplinlosigkeit und Trägheit, die durch Katrina deutlich sichtbar wurden und die von Menschen in Ländern, wo die Gesetze der Schwerkraft noch ihre Geltung haben, durchaus wahrgenommen wurden. … Wir lassen die Familien der Opfer von 9/11 unsere Geheimdienste umorganisieren und unser Präsident und der Kongress hielten eine Mitternachtssitzung ab, um über den Gesundheitszustand einer Frau, Terri Schiavo, zu debattieren, und dabei gleichzeitig die Probleme bei der Gesundheitsversorgung von 40 Millionen Unversicherten zu ignorieren.«[23]

Während Friedman – als echter Jakobiner – Mitgefühl für die Massen bekundet, stellt er gleichzeitig in selbstgerechter Manier die Rechte des Individuums in Abrede. In einem anderen, aber ähnlichen Kontext und in Anspielung auf Rousseau zeichnete Edmund Burke (1729–1797) das folgende unvergleichliche Portrait des modernen totalitären Humanisten:

Wohlwollen gegen das ganze Geschlecht und Gefühllosigkeit für jedes Individuum, mit dem die Verfechter dieser Lehre in Berührung kommen – das ist der Charakter der neuen Philosophie. … Er schmilzt vor Zärtlichkeit allein für das, was in entferntester Verbindung zu ihm steht, und dann, ohne eine Regung der Natur, schleudert er wie einen schmutzigen Auswurf die Früchte seiner hässlichen Liebschaften von sich und schickt seine Kinder ins Findelhaus. Der Bär liebt, leckt und formt seine Jungen; aber Bären sind ja keine Philosophen. Allein die Eitelkeit findet ihre Befriedigung darin, den Lauf natürlicher Gefühle in sein Gegenteil zu verkehren. Tausende bewundern den sentimentalen Schriftsteller: den liebevollen Vater kennt man in seiner Gemeinde kaum. … Und weil die Beziehung zwischen Eltern und Kind eines der entscheidenden Elemente der Entwicklung ursprünglicher und natürlicher Sittlichkeit ist, preisen sie einen wilden, grausamen, primitiven und hartherzigen, doch von edlen Gefühlen getragenen Vater als Vorbild: der Menschheit in Liebe zugetan, doch Feind seines eigen Fleisch und Blut.[24]

Es geht um Eitelkeit, in der Tat. Im Jahre 1993, während er angeblich darum bemüht war, seine Frau Terri am Leben zu erhalten, lässt Michael Schiavo seinen Verlobungs- und seinen Ehering zu einem neuen Ring für sich selbst umarbeiten; im Juni 2005, nach Terris Einäscherung und Beisetzung der Urne, legt er das Datum ihres Todes für den 25. Februar 1990 fest und benutzt ihren Grabstein als Gelegenheit, sich zu seiner selbsterklärten moralische Treue zu ihr zu gratulieren; und heute, während er lautstark sein Desinteresse an Publicity bekundet, gibt er Vorlesungen zu medizinischer Ethik.

Michael Schiavo hatte die Wahl, die Pflege seiner halbtoten Frau ihren Eltern zu überlassen, die ihn inständig darum baten, diese Rolle übernehmen zu dürfen. Damit hätte er auch die öffentliche Aufmerksamkeit vermeiden können, die er angeblich so verabscheute. Er entschied sich dagegen. Cui bono?

Übersetzung: Jan Groth

Das Original dieses Textes mit dem Titel »Killing as Therapy: The Case of Terri Schiavo« erschien in Thomas Szasz, The Medicalization of Everyday Life, Syracuse, NY: Syracuse University Press, 2007Externer Link. Wir danken Thomas Szasz für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.


[1]

Zitiert in Joan Didion, »The Case of Theresa Schiavo«, New York Review of Books (9. Juni 2005). Für Sachinformationen über den Fall s.a. http://www.sptimes.com/2003/webspecials03/schiavo/ (archive.org)Externer Link.

[2]

Ebd.

[3]

Laut Gerichtsakten war es technisch gesehen nicht Michael Schiavo, der die Entscheidung für die Beendigung der lebenserhaltenden Maßnahmen für Terri traf. Im Jahr 1998, nachdem Terri 8 Jahre am Leben erhalten worden war, bat Michael als Terris Vormund das Gericht in Florida, »als rechtlicher Stellvertreter des Mündels zu fungieren und zu bestimmen, welche Entscheidung das Mündel treffen würde, wäre es dazu in der Lage. … Bei diesem Verfahren wird das erstinstanzliche Gericht (trial court) in Stellvertretung des Vormunds zum Entscheidungsträger. Und so geschah es dann auch in diesem Fall.« Der Streit kam vor Gericht. Beide Seiten legten ihren jeweiligen Standpunkt dar und brachten Belege, die ihre Ansicht unterstützten. Das Gericht entschied anschließend: »die vorgelegten Beweise zeigen, dass Terri keine weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen wollen würde.« (University of Miami Ethics Programs, »Schiavo Case Resources«, http://www.miami.edu/index.php/ethics/projects/schiavo/Externer Link, abgerufen am 14. April 2007)

[4]

Eine Gruppe ganz unterschiedliche Personen teilten die Ansicht, dass die vom Gericht angeordnete »Exekution« Terri Schiavos ein großer Fehler war. Unter ihnen waren Clintons ehemaliger Anwalt Lanny Davis, Gores ehem. Anwalt David Boies, O. J. Simpsons ehem. Anwalt Alan Dershowitz, der demokratische Senator Joe Lieberman, der Bürgerrechtler Nat Henthoff, der Präsidentschaftskandidat der Grünen Partei Ralph Nader und der Führer der Rainbow Coalition Jesse Jackson (Lifelike Pundits, »Would You Rather Be O. J.'s Girlfriend or Michael Schiavo's Fiancee?«; die im Original angegebene Quelle ist nur noch über folgenden URL erreichbar: http://web.archive.org/web/20061024223953/http://www.lifelikepundits.com/archives/000519.phpExterner Link, d.Ü.)

[5]

1 Kön 3,16–28 (Einheitsübersetzung)

[6]

William Faulkner, »A Rose for Emily« (1930), http://www.hum.utu.fi/oppiaineet/englanti/studying/entrance_exam/Faulkner_A_Rose_for_Emily.pdfExterner Link (abgerufen am 5. September 2011). Der Text der Zitate folgt der Übersetzung von Elisabeth Schnack in: William Faulkner, Dürrer September, Verlag Volk und Welt, Berlin 1980, d.Ü.

[8]

Dieses Phänomen ist gar nicht so selten, wie wir vielleicht annehmen. Vgl. z. B. Man Watched TV with Dead Wife for over a Year, http://www.expatica.com/de/news/local_news/man-watched-tv-with-dead-wife-for-over-a-year-22942.htmlExterner Link (abgerufen am 1. August 2011)

[9]

Thomas Szasz, Law, Liberty, and Psychiatry: An Inquiry into the Social Uses of Mental Health Practices [1963] (Syracuse: Syracuse University Press, 1989).

[10]

Gilbert K. Chesterton, Radiobeitrag, June 11, 1935.

[11]

Thomas Szasz, Fatal Freedom: The Ethics and Politics of Suicide [1999] (Syracuse: Syracuse University Press, 2001)

[12]

»Was sind die Zulassungsbedingungen für Hospiz-Betreuung? Zustimmung des behandelnden Arztes. Eine Lebenserwartung von sechs Monaten oder weniger. Verzicht auf Heilbemühungen, stattdessen Pflege und Begleitung mit dem Ziel einer möglichst angenehmen Lebenssituation (comfort care). Die Grundhaltung, einen natürlich eintretenden Tod ohne außergewöhnliche Eingriffe zu ermöglichen.« (http://www.blessinghospital.org/?id=165&sid=2Externer Link). »Laut dem Medicare-Hospiz-Programm können Angebote für unheilbar Kranke mit einer Lebenserwartung unter sechs Monaten durch Medicare finanziert werden. Wenn der Patient länger als sechs Monate lebt, kann er weiter im Hospiz betreut werden, solange der behandelnde Arzt seine Beurteilung aufrecht erhält, dass der Patient unheilbar krank sei. Medicare, Medicaid und viele private und kommerzielle Versicherungen werden die Kosten für die Hospiz-Betreuung auch weiterhin übernehmen, wenn der Patient das Kriterium einer Lebenserwartung von sechs Monaten oder weniger erfüllt.« (http://www.hospicenyc.org/content/about_hospice/misconceptions.aspExterner Link). Praktisch die selbe Information erhält man auf vielen anderen Webseiten: z. B. http://www.hospice.org/hospice-care/what-is-hospice/Externer Link oder http://www.hospiceministriesweb.org/admission.php (via archive.org)Externer Link

[13]

… Nero, who would send »doctors to those who hesitated to execute his order to commit suicide, ... instruct[ing] them to ›treat‹ (curare) the victims, for thus the lethal incision of the veins was called.« Anton J. von Hooff, From Autothanasia to Suicide: Self-Killing in Classical Antiquity (London: Routledge, 1990), 51.

[14]

»Should life become unbearable for these incurables, the magistrates and priests do not hesitate to prescribe euthanasia. ... When the sick have been persuaded of this, they end their lives willingly either by starvation or drugs.« Thomas More, Utopia [1516] and Other Writings (New York: New American Library, 1984), 18.

[15]

Szasz, Fatal Freedom.

[16]

Das im Original benutzte national socialist bezieht sich – wie oben bereits in Bezug auf den Begriff national-socialization erwähnt – auf staatliche Kontrolle wichtiger Bereiche der nationalen Ökonomie, nicht aber auf den deutschen Nationalsozialismus.

[17]

William Osler, »The Fixed Period«, in Osler, Aequanimitas: With Other Addresses to Medical Students, Nurses and Practitioners of Medicine, 3rd ed. (Philadelphia: Blakiston, 1943), 375–93.

[18]

H. A. Johnson, »Osler Recommends Chloroform at Sixty«, Pharos 59 (Winter 1996), 24–26.

[19]

Harvey Cushing, The Life of Sir William Osler (London: Oxford University Press, 1925), 1:669.

[20]

John Donne, Biothanatos [1646] (New York: Facsimile Text Society, 1930).

[21]

Anthony Trollope, The Fixed Period [1882] (London: Penguin, 1993).

[22]

Michael Schiavo, zitiert in Lerner, »Michael Schiavo Speaks at Local Medical Ethics Conference.«

[23]

Thomas Friedman, »Singapore and Katrina«, New York Times, 14. September 2005.

[24]

Edmund Burke, »Jacobinism« (1791), in The Philosophy of Edmund Burke: A Selection from His Speeches and Writings, ed. with an introduction by Louis I. Bredvold and Ralph G. Ross (Ann Arbor: University of Michigan Press, 1961), 249. Der Text kann auch hier nachgelesen werden: A Letter from Mr. Burke to a Member of the National Assembly, Printed for J. Dodsley, 1791, S. 35f.Externer Link, d.Ü.


Letzte Aktualisierung am 24.07.2014
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